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Aktuelles & Termine

 

System Mapping Workshop

Wie hängen Kuhstall, Heutrocknung und CO₂-Bilanz eigentlich genau zusammen? Und wo entstehen im landwirtschaftlichen Betrieb ungewollte Hürden, wenn wir Maßnahmen für den Klimaschutz umsetzen wollen? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, kamen kürzlich Vertreter*innen der Universität Gießen, der Bioland- und Naturland Praxisforschung sowie des Forschungsrings zu einem intensiven Workshop in Fulda zusammen.

Unser Ziel war es, die zahlreichen Bereiche der ökologischen Milcherzeugung, die wir in unserem Projekt untersuchen, mithilfe von System Mapping (Systemkartierung) greifbar zu machen und ihre Wechselwirkungen sichtbar zu machen.

Ein erster wichtiger Schritt bestand darin, die gemeinsame Leitfrage des Projekts weiterzuentwickeln. Gemeinsam diskutierten wir, wie ökologische Milchviehbetriebe unter Berücksichtigung von Ernährung, Umwelt und Gesellschaft zum Klimaschutz beitragen können. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur die Verringerung von Treibhausgasemissionen im Mittelpunkt steht, sondern auch die positiven Leistungen der ökologischen Milchviehhaltung für Biodiversität, Kulturlandschaft, Tierwohl und weitere Gemeinwohlleistungen. Gleichzeitig wurden die Systemgrenzen festgelegt: Im Fokus stehen unter anderem Managementmaßnahmen, Wissensmanagement, Kooperationen, Standortbedingungen und die betriebliche Infrastruktur. Aspekte wie Verbraucher*innen, Markt oder betriebswirtschaftliche Fragestellungen wurden bewusst ausgeklammert, um den Untersuchungsrahmen klar einzugrenzen.

Was ist System Mapping und was bringt es der Praxis?

In der landwirtschaftlichen Beratung wird häufig noch linear gedacht: Eine bestimmte Maßnahme soll zu einem festen Ergebnis führen. In der Realität ist ein landwirtschaftlicher Betrieb jedoch ein komplexes System, in dem jede Veränderung an einer Stelle Auswirkungen an vielen anderen Stellen haben kann.

System Mapping ist eine visuelle Methode aus der Systemwissenschaft, um genau diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Statt isolierte Daten zu betrachten, bringt der Ansatz das Wissen aller Beteiligten zusammen:

  • Verbindungen statt Silos: Es wird analysiert, welche Bereiche miteinander verknüpft sind, wo Themen isoliert stattfinden und wo die Grenzen des betrachteten Systems liegen.

  • Wechselwirkungen verstehen: Die Teilnehmenden erarbeiten gemeinsam, welche Faktoren sich gegenseitig hemmen oder positiv verstärken.

  • Hebelpunkte identifizieren: Ziel ist es, die Stellen im System zu finden, an denen Veränderungen die größte und nachhaltigste Wirkung entfalten

Einblicke in die Gruppenarbeit: Viele bunte Verbindungen an der Pinnwand

In Fulda wurde die Theorie schnell in die Praxis umgesetzt. Zunächst sammelten die Teilnehmenden zentrale Einflussfaktoren auf Klimaschutz und Gemeinwohlleistungen in der ökologischen Milchviehhaltung. Dabei wurden ökologische, betriebliche und soziale Aspekte betrachtet. Im Mittelpunkt standen unter anderem Emissionsminderung, Kohlenstoffspeicherung, Biodiversität, Grundwasserschutz, Tierwohl, Lebensmittelqualität und soziale Nachhaltigkeit. Für all diese Bereiche wurden gemeinsam fördernde und hemmende Faktoren identifiziert.

Anschließend wurden in Kleingruppen konkrete Szenarien durchgespielt. Die Teilnehmenden diskutierten Stellschrauben aus der Praxis – von der betrieblichen CO₂-Bilanz über das Herdenmanagement im Kuhstall bis hin zur Gülleausbringung oder dem Einsatz einer Heutrocknung. Auch soziale Faktoren, die klimapositives Handeln auf den Betrieben fördern oder erschweren können, wurden intensiv betrachtet.

Ausgestattet mit Moderationskarten und vielen bunten Stiften entstand Schritt für Schritt ein dichtes Beziehungsgeflecht an den Pinnwänden – die sogenannte System Map. Dabei zeigte sich, dass einige Faktoren besonders stark mit anderen Bereichen vernetzt sind, während andere eher indirekt wirken. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich eine solche Systemkarte nahezu beliebig erweitern ließe, da immer neue Zusammenhänge sichtbar werden. Ziel der Übung war deshalb nicht, das System vollständig abzubilden, sondern die wichtigsten Wechselwirkungen und Rückkopplungen sichtbar zu machen und so eine Grundlage für die weitere Projektarbeit zu schaffen.

In einer abschließenden Übung wurde die Systemkarte aus zwei Perspektiven betrachtet: Zum einen markierten die Teilnehmenden alle Faktoren, die direkt mit der Tierhaltung zusammenhängen. Dabei wurde deutlich, dass die Tierhaltung weit über den Stall hinaus Auswirkungen auf viele Bereiche des Systems hat – beispielsweise auch auf die soziale Einbindung eines Betriebs in sein Umfeld. Zum anderen wurden diejenigen Faktoren gekennzeichnet, die Landwirt*innen unmittelbar beeinflussen können. Dadurch wurde sichtbar, an welchen Stellen betriebliche Entscheidungen den größten Einfluss auf Klimaschutz und Gemeinwohlleistungen haben und wo besonders wirkungsvolle Hebelpunkte für die Praxis liegen.

Für alle Beteiligten war es ein echter Aha-Moment, wie deutlich die gegenseitigen Abhängigkeiten im System visuell sichtbar wurden und wie entscheidend der Austausch zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen für den Erfolg von Klimaschutzmaßnahmen ist. Die entstandenen Systemkarten bilden nun eine wichtige Grundlage für die weitere Projektarbeit. Sie helfen dabei, Zusammenhänge besser zu verstehen, Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu identifizieren, die unter unterschiedlichen betrieblichen und regionalen Bedingungen besonders wirksam sein können.

 

Text: S.Fasting & T. Seibert

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Fotos: T. Seibert

 

Start der Innovationslabore im KlimaTier Projekt

Der Startschuss für die Innovationslabore im Forschungsprojekt steht kurz bevor. In allen drei Regionalclustern (Hessen, Bayern 1 und Bayern 2) werden praxisorientierte Forschungs- und Lernräume geschaffen, die auf bewährten Methoden wie StableSchools, Fieldschools und der Gruppenberatung basieren. Bis März 2027 sollen je Cluster neun Innovationslabore auf den verschiedenen Betrieben stattfinden. Ziel der Labore ist es, gemeinschaftlich innovative und klimarelevante Lösungsstrategien zu entwickeln, die auf die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen der jeweiligen Betriebe zugeschnitten sind.

Kern des Formats ist eine feste Gruppe von Landwirtinnen und Landwirten, die sich regelmäßig auf den Höfen der Teilnehmenden trifft. Jedes Treffen wird durch eine zentrale Schlüsselfrage strukturiert, die im Vorfeld in enger Abstimmung zwischen Gastgeberbetrieb, begleitender Beratung und der Begleitforschung entwickelt wird. Diese Frage bildet den inhaltlichen Rahmen des Austauschs und stellt sicher, dass die Diskussionen sowohl betriebsrelevant, klimabezogen als auch möglichst wirksam sind. Auch sozioökonomische Aspekte sowie bestehende Denk- und Handlungsmuster werden gezielt hinterfragt, um neue Perspektiven und Lösungsansätze zu ermöglichen.

Vor Ort diskutieren die Teilnehmenden gemeinsam mögliche Vorgehensweisen und Maßnahmen, die direkt im Betriebskontext betrachtet und gegebenenfalls individuell angepasst bzw. optimiert werden können. Die Treffen werden von erfahrenen Berater:innen moderiert, sodass alle Beteiligten vom kollektiven Fachwissen und den vielfältigen Erfahrungen in der Gruppe profitieren können.

Die Innovationslabore folgen einem partizipativen Ansatz: Praktiker:innen, Berater:innen und Forschende arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Im Fokus steht nicht nur die Entwicklung innovativer Ideen, sondern vor allem ihre praktische Erprobung und Bewertung im landwirtschaftlichen Alltag. So entsteht ein lebendiger Austauschraum, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen ineinandergreifen.

Begleitet werden die Innovationslabore durch eine sozialwissenschaftliche Forschung, durchgeführt von einer Mitarbeiterin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie nimmt regelmäßig an den Treffen teil, beobachtet die Abläufe vor Ort und untersucht soziale Dynamiken, Lernprozesse und Innovationsmechanismen im landwirtschaftlichen Kontext. Bereits im Vorfeld führte sie Interviews auf den teilnehmenden Höfen, um erste Einblicke in betriebliche Strukturen, Herausforderungen und Erwartungen zu gewinnen. Diese Erkenntnisse bilden nun die Grundlage für die weitere Analyse und Reflexion im Projektverlauf.

Ergänzend fließen im Verlauf der Innovationslabore auch vorhandene oder neu erhobene Daten, wie etwa Klimabilanzen, mit ein. Diese können dazu beitragen, Problembereiche sichtbar zu machen und die Schlüsselfragen weiter zu schärfen. So verbinden sich praktische Relevanz, wissenschaftliche Begleitung und klimabezogene Zielsetzungen zu einem ganzheitlichen Beratungs- und Lernansatz.

 

Text: E. Schmelzer & T. Seibert

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Foto: A. Bullmann. Innovationslabor in Hessen.

 

KlimaTier auf den Öko-Feldtagen 2025

​Fotos: T. Seibert; links: Viola Schevel (JLU) mit einem Impulsvortrag zu den sozio-ökonomischen Aspekten des Projektes; rechts: Annika Bullmann (Forschungsring e.V.) im Gespräch mit Landwirt Tobias Döring über Klimastrategien auf seinem Betrieb in Hessen.

Im Zuge einer Podiums- und Gruppendiskussion haben Praxivertreter*innen und Wissenschaftler*innen des Projektes gemeinsam mit den Teilnehmer*innen diskutieren, wie eine Öko-Milchviehhaltung aussehen könnte, die durch eine verbesserte Nutzung betrieblicher Ressourcen und die Optimierung betrieblicher Stoffströme ohne Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion zu einer klimaschonenden Produktionsweise beiträgt – und was ist nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen. Die rege Teilnahme hat gezeigt, dass das Projekt auf großes Interesse bei Landwirt*innen und Konsument*innen erzeugt, darüber haben wir uns sehr gefreut. Danke an alle Beteiligten für die tollen Impulsvorträge und an alle Teilnehmer*innen für den tollen Austausch!

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KlimaTier im Radio

Unser Projekt KlimaTier wurde im Deutschlandfunk vorgestellt – Der Beitrag „Studie KlimaTier: Warum Milchkühe und Ackerbau zusammenpassen“ wurde am 21.02.2025 gesendet und kann in der Deutschlandfunk Audiothek nachgehört werden. Darin geht es um das Vorhaben unseres Forschungsprojektes, die Bedeutung von Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft und warum Tiere und Pflanzen im Betrieb gemeinsam gedacht werden sollten. Wir freuen uns über das Interesse und danken dem Redaktionsteam für die Reportage! Beitrag anhören.

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